Mo
09
Aug
2010
Die Zeitarbeit boomt, aber der Ruf ist weiterhin schlecht, schreibt die Wirtschaftswoche in ihrer Ausgabe 32.
Volker Enkerts, Präsident des Bundesverbands Zeitarbeit (BZA), jubelt: „Die Branche erfüllt eine ihrer Kernfunktionen, nämlich boomende Industrien schnell und flexibelmit passenden Fachkräften zu versorgen
und Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu holen. Zeitarbeit ist damit eine tragende Säule des Aufschwungs.“
Doch der Branche wird immer mehr Missbrauch wie Lohndrückerei und Sozialdumping zulasten der Beschäftigten angekreidet. Viele Menschen mit Leihjobs müssen ihr Einkommen durch Hartz-IV-Bezüge aufstocken.
Kurzzeitige Beschäftigung von einer Woche bis drei Monaten (laut IAB knapp 50%) und kaum Übernahmen in Kundenbetriebe kennzeichnen die Zeitarbeit. Für das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung ist Leiharbeit nur „ein schmaler Steg in Beschäftigung“ –und keine breite Brücke, wie es die Branche selber gerne in Hochglanzformaten darstellt.
Bernd Rath von der Zeitarbeitsfirma Bera sagt, dass in vielen Unternehmen Mitarbeiter systematisch betrogen werden. Der USG People Chef Schulz vermutet, dass 50 % der Verträge mit Mitarbeitern unkorrekt sind. Da liegt noch vieles im Argen: Immer noch werden Mitarbeiter vorsätzlich falsch eingruppiert, systematisch wird
mit Krankenstand und Urlaubsansprüchen getrickst, um einsatzfreie Zeiten zu unterlaufen, die die Unternehmen eigentlich bezahlen müssten, oder um geringfügig Beschäftigte länger einzusetzen als erlaubt.
Es liegt an der Branche und den Unternehmen, das zu ändern. Es müssen verbindliche Standards eingefordert und überprüft werden. Die Zeitarbeit hat nicht Korrekturbedarf in der Kommunikation, sondern in der Art, wie manche arbeiten. Es gibt die Möglichkeit mit dem Qualitätssiegel sich nachweislich von der Masse der schwarzen Schafen abzusetzen.
Norbert Fuhrmann
