So
11
Jul
2010
Werden die Probleme der Leiharbeit richtig erkannt ?
Die Zahl der Bußgeldbescheide steigen um das Vierfache auf 2138, Lohndumping wird inzwischen vom Magdeburger Landgericht als Straftat angesehen, Zeitarbeit wird als Drehtüreffekt – wie bei Schlecker eingesetzt, in 286 Fällen die Erlaubnis Antragstellern wegen Unseriösität versagt worden, weitere 355 unbefristete Erlaubnisse wurden widerrufen und 18 befristete Erlaubnisse
wurden zurückgenommen.
Dies zeigt, dass die Probleme in der Branche nach wie vor massiv sind. Die Seriösität einer ganzen Branche wird durch eine Vielzahl schwarzer Schafe in Zweifel gezogen.
Die Schutzfunktion aus dem AÜG wird unterminiert:
In den letzten Jahren wurden vermehrt reinen Personalführungsgesellschaften großer Firmen
geführt. Zweck dieser Gesellschaften ist die Senkung von Personalkosten durch die
Anwendung von Zeitarbeitstarifverträgen. Die Arbeitnehmer dieser reinen Personalführungs-gesellschaften verrichten die gleiche Tätigkeit wie vergleichbare Arbeitnehmer im
Entleihbetrieb, erhalten dafür aber wesentlich geringeren Lohn, müssen länger arbeiten
und können auch schneller wieder entlassen werden.
Die „Brückenfunktion“ wird entzaubert:
Laut Zahlen der BA kommen 16,1 Prozent der Zugänge in die Arbeitslosigkeit aus einer Branche (Zeitarbeit), die nur 2,1 Prozent der sozialversicherten Beschäftigung ausmacht. Und nur bei 7% ist der Klebeeffekt zu vermelden.
Zeitarbeit fördert den Niedriglohnsektor:
Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass der Anteil der Niedriglöhner von 2001 bis 2006 um 9% zugelegt hat. 64 % arbeiten in der Zeitarbeit im Niedriglohnbereich.
Das durchschnittliche Bruttomonatsentgelt (Vollzeit) ist von1.688 € (1999) auf 1.550 € (2006) gesunken.
Das durchschnittliche Bruttomonatsentgelt von Helfern in der Zeitarbeit lag rund 45 % unter dem von Helfern in anderen Branchen.
Bei qualifizierten Tätigkeiten, wie z. B. Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufen,
lag die monatliche Entgeltlücke bei rund 35 %.
Das WSI hat ermittelt, dass der Lohnabstand im Durchschnitt aller Branchen 29 % beträgt,
im Einzelfall sogar 50 bis 100 % Lohnabstand erreicht werden.
Dumping durch Christliche Tarifverträge befördert
Die Einführung der Tarifverträge in der Zeitarbeit 2004 hat (lt. IAB) nicht dazu beigetragen,
die Lücke zwischen dem durchschnittlichen sozialversicherungspflichtigen Monatsentgelt von Zeitarbeitnehmern und Mitarbeitern in anderen Branchen zu verringern oder gar zu schließen. Niedrige Tarifabschlüsse der Christlichen Gewerkschaften haben eine Angleichung verhindert.
Norbert Fuhrmann
